Kinder im Internet – Gefahren, die keiner kennt

In Schulen, zu Hause, bei Freundinnen und Freunden oder auch im "Net-Café" - überall sind Kinder und Jugendliche heute "online". Meist unbeaufsichtigt, meist allein, gehen sie nicht nur auf Recherche für ihre Hausaufgaben - sondern auch in den sog. "Chat". Allzu leicht werden sie dort - aus Unkenntnis - Opfer pädokrimineller Täter. Eine große Anzahl von Kindern und Jugendlichen werden täglich im Internet verbal missbraucht, erhalten unaufgefordert pornographisches Bildmaterial zugesandt, werden zu Treffen animiert und für "Fotoshootings" angeworben. Täglich werden Kinder und Jugendliche im Internet Opfer pädokrimineller Menschen – Männer und auch Frauen.

"Kann ich Dich für 250 Mark f...en ?" oder "Steck' Dir mal eine Kerze unten rein..." oder auch "Haste schon Titten?" – Fragen und/oder Aufforderungen, die vielen Kindern und Jugendlichen, die sich täglich im Internet aufhalten, nicht fremd sind.

Im Gegensatz zu früher, als Pädokriminelle noch im Geheimen operieren mussten, können sie sich heute frei im Internet "entfalten". Unter anderem in einschlägigen "Kinderchat-Räumen" finden sie das von ihnen gesuchte "menschliche Material", das sie zur Umsetzung ihrer Phantasien benötigen und (aus-) benutzen.

Kinder und Jugendliche werden zum sogenannten "Cybersex" aufgefordert - sie werden "gebeten", sich vor dem PC selbst zu befriedigen, zu Treffen animiert, sollen Fotos von sich machen (lassen) oder ihnen wird eindeutiges pornografisches und kinderpornografisches Bildmaterial zugesandt, das entweder zur "Aufklärung" dienen soll oder zur Verharmlosung des angestrebten Missbrauchs benutzt wird.

Neben den einschlägigen "Kinderchat-Räumen" wird Kontakt auch via E-Mail oder der sog. "Telegrammfunktion" (=ICQ-Flüsterfunktion) geknüpft. Oft filtern die Täter ihre Opfer über bestimmte Suchkriterien (je nach Anbieter) heraus. Der Handel und Tausch mit kinderpornografischem Bild- und Videomaterial verzeichnet in den vergangenen Jahren rasante Zuwächse. Immer mehr Täter brechen aus der Sammler- und Händlerebene aus und machen sich auf die Suche nach dem "reellen Erlebnis". In den vergangenen Jahren geht man in der „Szene“ vermehrt dazu über, sich mit Kindern u./o. Jugendlichen möglichst schnell nach der ersten Kontaktaufnahme zu treffen. Die Dunkelziffer von "Chat-Opfern" lässt sich nur erahnen - es gibt zu wenig registrierte Fälle, da es nur selten zur Anzeige kommt.


  • 2000 Kinder gelten in Deutschland zur Zeit als "langfristig vermisst".


  • 7000 Kinder werden in Deutschland zur Prostitution gezwungen.


  • 200.000 Kinder werden in Deutschland missbraucht.

Die Anzahl derer, die täglich im Internet "missbraucht" werden, lässt sich kaum realistisch einschätzen. Hochgerechnet wird man jedoch von mehreren tausend Opfern in 24 Stunden ausgehen dürfen. Die Täter kennen keine Grenzen im täglichen Missbrauch ihrer oft sehr jungen Opfer.

Polizei und Gerichtsbarkeit haben kaum Möglichkeiten, dieser Art von Missbrauch entgegenzuwirken. Meist fehlt es schon an der notwendigen technischen und rechtlichen Ausstattung. Eine unbedeutende Anzahl Polizeibeamter darf überhaupt nur "anlassunabhängig" im Internet recherchieren. Gerichte bleiben - wird tatsächlich einmal ein Täter gefasst - oft unter dem Strafmaß, das angesichts der Tragweite der Tat eigentlich angebracht wäre. Die Gesetzgebung ist in unserem Land auf diese Art der Kriminalität nicht eingestellt. Auch die angestrebte Novellierung des Sexualstrafrechts geht auf die Probleme im Internet kaum ein. Sichere technische Möglichkeiten, die eine Kontaktaufnahme vom Täter zum Opfer verhindern könnten, gibt es bislang nicht. Auch Schutzfilter u./o. Filterprogramme sind hier nutzlos.

NetKids hält die Prävention für das einzige zur Zeit effektive Mittel, um gegen diesen massiven Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Internet etwas zu unternehmen. Bitte informieren Sie sich weiter unter Chat-Tipps oder schauen Sie auch unter Buchempfehlung zum Thema.